Das Schicksal der Familie Mann
von Roland Paul

 

Im Jahre 1883 war der am 20. Oktober 1860 in Höheinöd auf der Sickingerhöhe geborene Emanuel Mann durch seine Heirat mit Klara Isaak nach Steinbach gekommen, wo das Ehepaar ein stattliches Anwesen in der Hauptstraße erworben hat. Seine Frau war 1864 in Steinbach als Tochter des Salomon Isaak und der Sara Liebmann geboren. Emanuel Mann war Viehhändler und Landwirt und genoß in der Gemeinde bald ein großes Ansehen. Ab 1907 gehörte er dem Synagogenausschuß an. 1932 war er 1. Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Steinbach am Glan. Das Ehepaar Mann hatte elf Kinder, sechs Töchter und fünf Söhne. Der älteste, Simon Mann, starb im Ersten Weltkrieg. Julius Weinberg, der mit Hedwig Mann verheiratet war, ist gefallen. 1918 starb die Mutter Klara Mann, geb. Isaak.

Die Manns lebten bis in die dreißiger Jahre in einem ausgesprochen guten Verhältnis zu ihren Nachbarn in Steinbach. All dies änderte sich mit der Judenhetze der Nationalsozialisten ab 1933. Da sie in Deutschland keine Existenzgrundlage für sich mehr sahen, verließen einige der Kinder Emanuel Manns ihre Heimat und emigrierten ins Ausland. Als erster ging der jüngste, der 1904 geborene Edgar Mann. Er betrieb Hausierhandel und galt in Steinbach und Umgebung als Anhänger der KPD. Bereits 1933 flüchtete er nach Frankreich. Am 6. Juli 1937 schrieb die Bezirksamtsaußenstelle Waldmohr an die Gestapo Neustadt, "gerüchteweise halte er sich in Paris auf".

1936 emigrierte die 1894 in Steinbach geborene Tochter Isabella mit ihrem Mann Salomon Lorig und ihrer Tochter Edith nach Palästina. Der Sohn Ludwig Mann zog mit Frau und Tochter Inge in die Vereinigten Staaten.

Am 1. November 1938 mußte sich Emanuel Mann auch von seinem Sohn Albert (geboren am 29. Januar 1892) verabschieden, der sich entschlossen hatte, mit seiner Frau Elise, geb. Allmayer (geb. 24.10.1889 Hottenbach bei Bernkastel) und den drei Kindern Hans Nathan (geb. 1921), Siegfried Salomon (geb. 1924) und Klara Babette, genannt Klärchen (geb. 1927) nach Argentinien auszuwandern. Zuvor hatten Albert Mann und sein ältester Sohn "zur Vorschulung für die Landwirtschaft" einige Wochen auf dem Landwerk Neuendorf bei Berlin verbracht.26 Ihre Auswanderung wird im folgenden Brief von der Tochter Klara, später Clarita Goldschmidt, geschildert.

Zwei Tage nach seinem 80. Geburtstag wurden aus Steinbach Emanuel Mann mit seinen Töchtern, der Kriegerswitwe Hedwig Weinberg (geb. 1884) und Hermine (geb. 1885) sowie seiner 23jährigen Enkelin Ruth Weinberg nach Gurs deportiert. Aus Brücken wurden Emanuel Manns Tochter Hildegund (geb. 1901) und deren Ehemann Simon Strass nach Gurs verschleppt. Keiner von ihnen hat überlebt. Sie alle kamen 1942 von Frankreich nach Auschwitz.27 Auch Emanuel Manns Tochter Blondine Müller, geb. Mann, die mit ihrer Familie in Freiburg im Breisgau gelebt hat und der 1888 geborene Sohn Luitpold Mann, der sich nach Steinbach am Donnersberg verheiratet hatte, wurden Opfer des Holocaust. Der nach Frankreich emigrierte Edgar Mann überlebte den Zweiten Weltkrieg und kehrte wieder nach Steinbach zurück. Er starb am 30. Januar 1966 und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Steinbach beigesetzt.

Clarita Goldschmidt, geb. Mann schrieb am 15.10.1996 aus Buenos Aires in Argentinien:

Mein Bruder Friedel und ich waren im letzten Jahr 1938 noch die einzigsten jüdischen Schüler in der Volksschule und wurden sehr belästigt: man hat uns beschimpft, beleidigt, wir durften an keinen Spielen teilnehmen, man haßte uns und meinem Bruder haben die Jungens Zettel auf den Rücken und an die Ohren gehängt mit Inschriften: Sau Jud, raus aus Deutschland, geh nach Rußland oder nach Jerusalem, usw. Meine Mutter beklagte sich einige Male beim Oberlehrer X. (der früher unser Freund war); das letzte Mal, wo sie bei ihm war, wurde er ausfällig und bedrohte unsere Mutter, wenn sie wieder käme, würde er sie die Treppe runterwerfen.

Daraufhin sah meine Mutter endlich ein, daß wir nicht mehr in die Schule gehen konnten und daß wir alle unter Gefahr waren. Wir konnten die letzten Monate und Wochen, während des Tages nicht mehr auf die Straße gehen, aus Angst, daß irgend einer hinter einem Baum steht und uns Steine nachwirft. Wenn wir unsere wenigen Freunde besuchen wollten, mußte es bei Nacht sein und mit viel Vorsicht.

Ein anderer Vorfall war: Als mein Vater einmal die Straße entlang ging, blieb ein ungefähr 10jähriger Junge neben ihm stehen und spuckte aus und sagte "Saujud"; mein Vater war sehr nervös und explosiv und haute dem Jungen eine Ohrfeige runter. Dieser lief sofort zu seiner Großmutter und beklagte sich bei ihr (die Alte war eine große Nazi(anhängerin); diese lief zum jungen Nazilehrer und erzählte, was passiert war. Daraufhin marschierte dieser junge Lehrer am nächsten Tag mit seiner Hitlerjugend und BDM (Bund Deutscher Mädchen) durch das Dorf und blieb vor unserem Haus stehen und sie sangen so laut wie möglich: "Schmeißt sie raus die ganze Judenbande, schmeißt sie raus aus unserm Vaterlande... ." (es geht noch weiter, aber ich habe den Rest vergessen).

Wir waren oben in unserer Wohnung sehr aufgeregt und obwohl wir meinen Vater zurückhalten wollten, ließ er sich nicht halten und riß das Fenster auf und schrie auf die Straße: "Du kannst noch lang tanzen bis Du 6 Jahre Soldat warst fürs Vaterland, pfui der Schande", und machte das Fenster wieder zu. Wir waren in einer großen Aufregung und hatten fürchterliche Angst was da nun kommen würde, aber o Wunder, die Hitlerjugend zog ab und es passierte nichts mehr vor unserer Auswanderung.

Am 1. November 1938 verließen wir Deutschland per Eisenbahn über das Saarland nach dem Elsaß/Frankreich; wir wurden noch ein bißchen schikaniert am Zoll, bevor wir den französischen Zug bestiegen. (Wir) besuchten Freunde der Verwandten meines Vaters in Saargemünd (Elsaß), am nächsten Tag fuhren wir weiter per Zug nach Paris, wo wir Verwandte meiner lieben Mutter besuchten: Der Bruder Julius mit Frau Johanna, die Schwägerin (Witwe von Benny Allmayer) Sally mit ihren 3 Söhnen: Arthur, Kurt und Helmuth. Es war eine große Freude beim Wiedersehen und ein sehr trauriger Abschied. Am 5. oder 6. November brachten unsere Cousins uns nach Boulogne sur Mer, wo wir uns in ein englisches Schiff "Highland Chieftain" einschifften mit Ziel nach Buenos Aires.

Am 27. November kamen wir in Buenos Aires an und wurden von meiner Tante Rosalie und ihren Töchtern abgeholt. Zuerst wohnten wir 3 Wochen bei meiner Tante in Buenos Aires, Stadtteil Belgrano, wo viele Emigranten lebten, bis meine Eltern mit der I.C.A. alles geregelt hatten. Jüdische Kolonisation in Argentinien bedeutet I.C.A. Ende Dezember 1938 fuhren wir per Zug nach der Provinz Centre Rios - Bahnstation Alcaraz, wo uns nach mühseliger Reise ein älterer Kolonist der jiddisch sprach (denn spanisch konnten wir noch nicht) mit seinem offenen Wagen und 4 Pferden abholte, der uns mit unseren Koffern und dicken Kleidern (hier war es schon sehr heiß) in unsere primitive Wohnung brachte; es waren 20 Kilometer Staubweg zurückzulegen, die nie ein Ende nehmen wollten, aber wir kamen an. Dort fanden wir ein Ehepaar mit einigen Kindern vor. Die Eingeborenen nennt man Criollos, wir waren für diesselben Gringos (Fremde); diese mußten das Haus verlassen und in ein Rancho ziehen im Wald. Das Haus war sehr primitiv aus Ziegeln, weiß gestrichen mit Wellblech-Dach, 2 Schlafzimmer, eine kleine Wohnküche und eine Veranda mit Dach, aber nach vorne offen.

Die erste Nacht schliefen meine Eltern und Brüder auf Stroh mit Mäntel als Unterlage, ich hatte mehr Glück: Unsere Nachbarn, Familie Tau liehen uns ein Catre. Es bestand aus einem Stoff und man konnte es zusammenklappen (Feldbett - Pritsche im Wörterbuch). 3 Monate lebten wir mit geliehenen Sachen von unseren verschiedenen Nachbarn, bis unsere Möbel und Sachen dann per Frachtschiff ankamen. Es war ein ziemlich schweres Leben auf dem Land (Campo), nicht nur daß man sein Heim in Steinbach verlassen mußte unter den bekannten Umständen, das Eingewöhnen in einem vollkommen fremden Land, mit anderer Sprache, andere Sitten, ohne Bequemlichkeiten, keine Elektrizität, nur Kerzenlampen - Wasser mußte gepumpt werden - man konnte sich nicht baden, nur abwaschen mit einem Eimer Wasser.

Gott sei Dank, es war gerade Sommer und wir stellten das Wasser in die Sonne zum Wärmen. Dann die vielen Insekten, hauptsächlich Erdflöhe, die uns verrückt machten. Durch das Jucken verkratzten wir uns und man bekam die sogenannten Klimawunden, man konnte keine Schuhe mehr anziehen, nur offene Alpargatas = Hanfschuhe - schwarze Leinenschuhe (ganz primitiv).

 Anfang des Jahres 1939 schickte mich meine Mutter zu meiner Tante nach Buenos Aires, wo ich 1 Jahr in die Pestalozzi-Schule ging, wiederholte die 4. Klasse, da ich kein Spanisch konnte - wir hatten Spanisch und Deutsch dort. Meine Eltern bekamen durch die I.C.A. 75 Hektar Land zugeteilt zum Bearbeiten; davon waren 25 Hektar schon gerodet - also zum Bebauen, und 50 Hektar war noch Urwald. Wir hatten viele Kühe, Pferde und eine Menge Federvieh. Es wurde viel Mais und Weizen angepflanzt, auch Sonnenblumen und wir hatten einen schönen Garten beim Haus mit allerlei Gemüse, Obst, außer Kürbis und Melonen mußte man kaufen, meistens durch Austausch. Wir mußten unsere Produkte an die Kooperative der I.C.A. bringen nach Alcaraz und dort bekamen wir dafür Produkte, die wir verbrauchten, wie Mehl, Zucker etc., auch Kleider, einfache natürlich, und alles was wir nicht selbst hatten. Brot und Kuchen backte meine Mutter selbst. Am Haus war ein großer Backofen angebaut dazu.

Meine Brüder lernten Ackerbau und Viehzucht durch meinen Vater, der ja schon gelernter Landwirt war. Ich hätte gerne melken gelernt, aber mein Vater wollte es nicht, so mußte ich meiner Mutter im Haushalt helfen.

Im Jahr 1940 blieb ich das ganze Jahr auf dem Camp und während der Schulzeit von April bis November ritt ich mit anderen Jungens und Mädchen aus der Kolonie in die nächste Schule, 7 Kilometer entfernt. Es war eine sehr primitive Volksschule und wir haben nur ein bißchen Spanisch gelernt, aber das Reiten in Gesellschaft hat uns schon Spaß gemacht, als wir schon eingewöhnt waren. In der Kolonie wurde ein Schuppen aus Stein und Blechdach gebaut, damit man Synagoge abhalten konnte an Sabatt und an den Feiertagen, außerdem wurden Versammlungen abgehalten dort und Tanz und Vergnügen für die Jugend.

Ein Herr Kälbermann, der in Deutschland schon Lehrer war, war unser Jugendleiter für Sport und Unterhaltung. Im Februar 1941 schickte mich meine Mutter mit anderen jungen Mädchen nach Buenos Aires, um zu arbeiten und Geld zu verdienen. Meine Tante besorgte mir eine Stelle mit Wohnung und Verpflegung im jüdischen Hilfsverein für die Emigranten. Im April, 2 Monate später wurde ich erst 14 Jahre alt, also ich war selber noch ein Kind und hatte schon viel Verantwortung für mein Alter, was mir oft sehr schwer fiel und mir Heimweh verursachte.

Im Kinderheim mußten wir allerhand Arbeiten verrichten, wir hatten Kleinkinder (Krabbelstube genannt) zwischen 1 und 3 Jahren, einen Kindergarten im Alter zwischen 3 und 6 Jahren und die Schul-Kinder zwischen 6 und 15 Jahren. Es gab Kinder, die nur tagsüber im Heim waren und ungefähr 100 Kinder, die dort die ganze Woche wohnten, da die Eltern keine Zeit und oft auch kein Platz hatten, die Kinder bei sich zu haben; sie wurden dann nur am Wochenende abgeholt und wieder zurückgebracht. Wir waren einige junge Emigranten-Mädchen, die da arbeiteten, man nannte uns Praktikantinnen und von den Kindern wurden wir alle Tante genannt.

Ich arbeitete fast 3 Jahre dort bis Dezember 1943. Da meine Eltern beschlossen nach Buenos Aires zu ziehen, weil sie auf dem Camp nicht vorwärts kamen und mein ältester Bruder Hans auch schon in Buenos Aires war ab 1942 und in einer Schuhfabrik eine Stelle bekam, suchten wir ein kleines Haus mit etwas Garten und Hof für die paar Hühner, in einem Vorort Florida von Buenos Aires für uns alle. Ich gab meine Stelle im Kinderheim auf, erstens um privat mehr verdienen zu können über den Sommer und zweitens wollte ich ab April 1944 einen Krankenschwesterkurs mitmachen; dies habe ich auch gemacht und bei meinen Eltern gewohnt. Mein Bruder Hans - 6 Jahre älter wie ich - arbeitete weiter in der Schuhfabrik und mein Bruder Friedel (Siegfried) - 3 Jahre älter als ich - suchte durch die Zeitung eine Stelle als Laufjunge für alle Arbeiten in einer deutsch-jüdischen Konditorei; mit der Zeit machte es ihm Spaß und er erlernte den Beruf als Feinkonditor; er machte Kurse mit und war in verschiedenen guten Konditoreien im Laufe der Jahre.

Meine Mutter versorgte den Haushalt und arbeitete noch 2 x die Woche bei einer jüdischen Familie als Hilfe im Haushalt. Auch mein Vater war kein Fauler; er fand auch eine Arbeit bei einem Juden, der Holz, Kohle, Kartoffeln usw. verkaufte, noch mit Pferd und Wagen in jener Zeit. In den Sommerferien 1944-45, arbeitete ich als Kindermädchen bei einer jüdischen Familie, die zwei kleine Kinder hatte; dort konnte ich auch wohnen und fühlte mich sehr wohl bei Familie Vogel; sie waren Hamburger und sehr liebe Leute. Im März 1945 wollte ich den Krankenschwesterkurs weiter machen - im total wären es 3 Jahre gewesen -, aber mein Vater verbot es mir. Er hatte einen kleinen Unfall mit dem Rad und nahm dies als Vorwand hin, weil er nie damit einverstanden war, daß ich Krankenschwester sein wollte. Den Grund dafür habe ich nie erfahren. Ich war natürlich am Anfang sehr traurig, aber Familie Vogel tröstete mich sehr, doch bei ihnen zu bleiben, da sie mit mir zufrieden waren und ich liebte die Kinder sehr; außerdem gaben sie mir die Möglichkeit 1 x die Woche Englisch Unterricht zu nehmen, was ich dann auch tat.

In dem selben Jahr 1945 lernte ich meinen Mann kennen, der Enrique Luis Goldschmidt heißt und schon Konditor war; seine Eltern und meine Eltern kannten sich schon durch die Synagoge, wo sie sich jeden Samstag trafen, auch mein Bruder Friedel kannte ihn schon.

Also im Mai 1946 heirateten wir ganz intim im engsten Familienkreis und wohnten die ersten 2 Jahre bei meinen Schwiegereltern in Olivos in der Nähe von Florida. Sie hatten ein eigenes Haus mit genug Zimmer und einem großen Garten mit Obstbäumen und sogar ein Hühnerstall hinter dem Haus.

Am 30. April 1947 wurde unser ältester Sohn Roberto geboren und die Freude war sehr groß, besonders bei meinem Schwiegervater, da Roberto der Stammhalter der Goldschmidts war. Mein Mann hatte einen 7 Jahre älteren Bruder Paul, der verheiratet war und 2 kleine Mädchen hatte. Dieser besaß eine Wurstfabrik zusammen mit seinem Schwiegervater. Er ist leider vor einigen Jahren gestorben, aber seine Frau Edith lebt noch in unserer Nähe...

Im Juni 1948 kauften wir zusammen mit einem spanischen Ehepaar, Menendez, eine Bäckerei und Konditorei (in argentinischem Stil). Diese Leute waren vorher Arbeitgeber meines Mannes und er kannte sie sehr gut. Dieses Geschäft ging sehr gut, aber nach 2 Jahren mußte es verkauft werden, da unser Teilhaber sehr krank wurde und nicht mehr arbeiten konnte. Im Jahre 1950 kauften wir eine eingeführte Konditorei im europäischen Stil, zusammen mit meinem Bruder Friedel (der ja auch ein guter Konditor war). Am Anfang wohnten wir alle im Haus des Geschäftes, weil es groß genug war. Später heiratete mein Bruder und zog dann in eine andere Wohnung; wir wohnten 3 Jahre im Geschäft, dann waren wir in der Lage uns eine Wohnung in der Nähe zu mieten. Auf jeden Fall haben wir das Geschäft im Laufe der Jahre sehr hochgebracht, Gott sei Dank. Die ersten Jahre hatten wir hauptsächlich deutschsprechende Kundschaft, inzwischen hat es sich sehr verändert, die wenigsten sprechen noch Deutsch.

Unser 2. Sohn Ernesto ist im Mai 1954 geboren; wir haben unsere beiden Söhne in die Pestalozzi-Schule geschickt, so daß sie ganz gut Deutsch sprechen können. Inzwischen hat Roberto Konditor gelernt, war zuerst 3 Jahre in einer anderen bekannten Konditorei in Lehre und dann schickten wir ihn in die Schweiz, wo er 3 Monate die Cobaschule besuchte und später auf verschiedenen Plätzen gearbeitet hat. Seit vielen Jahren ist er bei uns im Geschäft und heute ist er Direktor des Unternehmens... Unser Ernesto, 42 Jahre, hat sich als Kinderarzt ausgebildet und in Genetik...

Mein Bruder Hans, 75 Jahre alt lebt noch und ist sei fast 43 Jahren verheiratet und hat keine Kinder; seine Frau Betty ist schon 86 Jahre alt. Mein Bruder Friedel heiratete im Dezember 1950 eine deutsche Jüdin - Ruth Terkeltaub - und sie bekamen 2 Kinder, Marcelo der Junge und Viviana das Mädchen. 8 Jahre später starb seine Frau 28jährig, ganz plötzlich an einem Herzschlag. Im November 1959 heiratete mein Bruder wieder mit Inés - eine argentinische, sefardische Jüdin; mit ihr hatten sie nochmals 2 Kinder, ein Junge Stefan und ein Mädchen Deborah, also im total 4 Kinder.

Leider ist mein lieber Bruder Friedel, der 35 Jahre unser Teilhaber war, an einem unheilbaren Krebs mit 60 Jahren gestorben (er würde jetzt 72 Jahre alt sein)- Seine Witwe Inés und sein ältester Sohn sind unsere Teilhaber, also wie Sie sehen, ein Familienunternehmen. Da die Zeiten sich sehr verschlechtert haben in den letzten Jahren - die Kaufkraft hat sehr nachgelassen und die Kompetenz der Supermärkte ist sehr groß - hat sich die geschäftliche und wirtschaftliche Lage sehr verschlechtert hier im Land und somit unsere.

Meine liebe Mutter, Elise Mann geb. Allmayer ist am 18. März 1958 an Krebs in Florida-Buenos Aires verstorben; sie war erst 68 Jahre alt. Mein Vater hat viele Jahre bei uns im Geschäft mitgearbeitet und ist erst im Oktober 1983 mit fast 92 Jahren gestorben; er hatte 1 Jahr vorher eine kleine Gehirnembolie und dann noch Blasenkrebs. Er hat die letzten 2 Jahre bei uns gewohnt...

Hoffentlich ergibt sich einmal noch die Gelegenheit für mich eine Deutschland-Reise zu machen. Mein großer Traum ist, wieder meinen Heimatort zu besuchen, den Steinbach rauschen zu hören und entlang zu gehen, die schönen Wiesen mit ihren weißen und gelben Blümchen zu genießen, und im Kahlewald spazieren zu gehen und Walderdbeeren zu pflücken. Ob es wohl noch Maikäfer gibt zum schütteln und in kleine Streichholzschachteln zu geben? Das sind meine Kindheitserinnerungen.

Im Mai 1999 weilten Clarita und Enrique Luis Goldschmidt auf Einladung von Bürgermeister Klaus Müller in der Verbandsgemeinde Glan-Münchweiler. Damit ging ein langgehegter Wunsch in Erfüllung...